Interview mit Taschen-Designerin Anna Wentzler

Ich hatte ein ganz lustiges Skype-Interview mit Taschen-Designerin Anna Wentzler. Teilweise haben wir sogar das Interview vergessen, daher ist etwas chaotischer 🙂 aber ich habe sogar eine Room-Tour erhalten. Das Gespräch war sehr herzlich und hat mir viel Freude bereitet. Anna hatte einiges Interessantes zu berichten. Aber wer genau ist eigentlich Anna Wentzler? Anna näht Taschen aus Leder und zwar aus dem Leder, für das die Fabriken keine Verwendung haben, da die Häute teilweise kleine oder auch größere Fehler haben. Somit wertet sie 3. Wahl-Ware wieder auf. Jeder, der bei ihr eine Tasche bestellt, kann sich auf ein Unikat freuen. Sie investiert viel Liebe und Zeit in ihre Produkte und versucht dabei jeden Kundenwunsch zu erfüllen und ständig Neues auszuprobieren. Ich bin im Besitz eines „Turnbeutels“ und eines Portemonnaies von ihr. Die Bilder dazu findet ihr am Ende des nun folgenden Interviews. Viel Spaß dabei.

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Wie geht es dir denn heute?
Mir geht es ganz gut, danke.

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Erzähl uns doch erstmal wer du bist und was du so machst?
Mein Name ist Anna Wentzler, ich bin 21 Jahre, komme ursprünglich aus München und studiere gerade in Pirmasens (Rheinland-Pfalz) Leder- und Schuhtechnik.

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Zu welchem Zeitpunkt wusstet du „Das will ich werden“?
Das ist ungefähr ein Jahr und ein Monat her. Vorher habe ich eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, musste diese aber durch eine Erkrankung an den Händen abbrechen. Eigentlich war das Studium daher eine gezwungene Entscheidung, aber die Beste die ich getroffen habe. Da ich aber auch neben meiner Ausbildung schon die Taschen genäht habe, wusste ich, dass ich etwas in diese Richtung studieren möchte.

Was hat sich dadurch geändert? Wie viel Zeit verging zwischen dem Abbruch der Ausbildung bis hin zum Studium?
Als ich gekündigt habe und bis ich hier angefangen habe zu studieren verging eigentlich nur eine Woche. Es ging also ratz fatz. Die Erfahrung und die Zeit drumherum war auch ganz abgefahren. Als ich dann in Pirmasens angekommen bin, Pirmasens ist ja wirklich sehr klein und weit weg, war das schon eine große Umstellung. Ganz anders als München. Ich hab hier aber eine wunderschöne WG gefunden. Es war trotzdem sehr schwierig, weil hier alles so anders ist.  Zum Beispiel gibt es keine wirklichen öffentlichen Verkehrsmittel und nur wenige Ausgeh-Möglichkeiten. In den ersten beiden Semestern haben wir dann angefangen einen Schuh zu gestalten und umzusetzen. Und das war ganz schön, auch mit Leder zu arbeiten. Primasens ist auch die Schuh-Stadt und dadurch gibt es hier viele Leder-Händler und da bin ich jetzt auch an der richtigen Adresse.

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Was inspiriert dich denn so?
Wie komme ich auf die Idee? Das ist voll die gute Frage!
Ich hab jetzt keinen Block, in dem ich skizziere, sondern ich hab das Leder vor mir liegen und dann kommt das irgendwie – also von den Formen. Ich hab bei meinen Taschen auch recht schlichte Formen. Die Idee bzw. die Tasche entsteht dann wirklich im Prozess, im Machen. Ich achte auch darauf wie sich das Leder anfühlt – also von der Haptik her – wie das Leder zusammenpasst, zum Beispiel kein zu dickes Leder in Kombination mit zu dünnem Leder. Ich weiß auch gar nicht so recht wo ich mir meine Ideen herhole. Also ich gucke jetzt nicht so auf Internetseiten.

Hast du denn Vorbilder, Designer, die du gut findest?
Das nicht direkt, aber einer meiner Lieblingsmarken, bei der ich gerne einkaufen gehe ist COS und die machen auch so ganz schlichte Taschen. Sie experimentieren aber auch mit Stoffen und Formen und das find ich ganz schön.

Kannst du denn auch stricken oder häkeln?
Ich kann tatsächlich stricken und häkeln, aber nähe viel lieber.

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Da wir bei unserem Blog auch über Mode berichten und du Taschen designst – Wie sieht dein Stil aus? Auf was achtest du? Wie würdest du deinen eigenen Look beschreiben?
Ich mag auch sehr gerne die Kleidung von COS, eben weil sie sehr schlicht sind. Man findet zum Beispiel in jeder Kollektion das kleine Schwarze. Aber sie haben dann auch eine ganz normal geschnittene Bluse in einer Neon-Farbe und das gefällt mir. Und das mache ich auch bei meinen Taschen, also das sie schlicht sind aber immer ein Highlight haben. Die Rückseite ist immer schlicht und vorne ist dann eine Applikation, eine grelle Farbe, et cetera. Man kann da ganz gut variieren.

Was hast du immer dabei? Was darf niemals zu Hause liegen bleiben – abgesehen von Handy, Portemonnaie und Schlüssel?
Mein Tabakmäppchen.
Labello oder Lippenstift – meistens beides zusammen.
Ich habe auch immer einen Kalender und einen Stift dabei.
Ich glaube das war es im Großen und Ganzen.

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Machst du eigentlich auch bei Design-Märkten mit oder läuft das alles über facebook?
Ich habs jetzt erstmal über facebook gemacht. Aber heute ist die Bestätigung reingeklettert, dass ich mit beim Stijl DesignMarkt in Mainz mitmachen darf. Die Stijl ist am 07 und 08. Februar 2015 und darauf freue ich mich total. Ich war da schon mal in München und habe einer Freundin geholfen. Da hab ich dann die Veranstalter kennen gelernt und die haben mich dann auch angeschrieben. Aber es kann sich jeder da bewerben, der gern mitmachen möchte.

Wie würdest du dich mit drei Worten beschreiben beziehungsweise wie würden es deine Freunde machen?
Hmm, offenherzig…engagiert…und, wie würde ich mich noch so beschreiben, allzeit bereit. Oder besser, ich bin motivationsfähig für viele Dinge.

Das heißt du probierst auch gerne etwas Neues aus?
Ja.

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Ist man denn jemals zu alt um etwas Neues auszuprobieren?
Nein.

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Du kennst bestimmt das „Entweder Oder“ Spiel?

Nee, das kenne ich nicht! (Also habe ich es ihr erklärt und es war ein lustiges hin und her).

Feierabendbier oder ein Glas Wein? Feierabendbier.
Chiller oder Stresser? Chiller.
Leger oder Schick? Leger.
Do It Yourself oder Handwerker rufen? DIY.
Pommes oder Salat? Quatsch, keins oder beides!
Sport oder doch lieber die Couch? Couch. (verlegenes Lächeln)
Digital oder Analog? Analog.
Online oder Offline? Offline.
Laut oder Leise? Laut.
Organisiert oder das pure Chaos? Organisiert – Aber ich bin nicht immer organisiert, denn wenn ich nämlich gerade eine kreative Phase habe, dann ist mein Zimmer voll das Chaos.
Sommer oder Winter? Sommer.
Peter Pan Prinzip! Für immer ein Kind bleiben oder doch irgendwann erwachsen werden? Irgendwann erwachsen werden, muss ja!

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Hast du noch Tipps für Jungen und Mädchen die vielleicht auch in deine Richtung arbeiten möchten? Tipps wie sich diese Menschen in die Szene integrieren können?
Ich weiß gar nicht, ob ich selbst integriert bin (lacht). Das fing so ein bisschen mit dem amazed-Blog an. Die Mädels haben mich interviewt und dann wurden relativ viele Leute auf mich aufmerksam. Aber das war auch eher Zufall. Eine Freundin von mir war zusammen unterwegs mit den amazed-Mädels und meine Freundin hatte eine Tasche von mir dabei und die Mädels wurden dann darauf aufmerksam und haben sie dann auch gefragt, woher sie die hat. Und das hat sich dann so entwickelt. Und dann kann man sich natürlich auf den verschiedenen Design-Märkten bewerben, da kann jeder hin. Und ich glaube, wenn man richtig Bock und Zeit darauf hat, dann kann man sich gut etablieren.

Und möchtest du noch etwas von uns/mir wissen oder uns/mir etwas mit auf dem Weg geben?

Anna hat mir zwischendrin einige Fragen gestellt, die bekommt hier nun zu lesen! 🙂

Wie alt bist du eigentlich, ich hab ja noch nicht so ein Bild von dir?
27.

Was studierst du? Macht dein Studium Spaß?
Ich studiere Kommunikationsdesign und bin gerade im ersten Master-Semester. Das Studium an sich macht schon Spaß, aber ich bin irgendwie noch nicht richtig an der Fachhochschule angekommen. Ich habe ja zwischen dem Bachelor und dem Master die Fachhochschule gewechselt. Es ist alles noch etwas schwierig, da man noch nicht die Professoren kennt und den ganzen Ablauf. Und der Master ist sehr auf das Forschen ausgelegt und das hab ich auch noch nie so wirklich gemacht. Klar recherchiert man im Bachelor-Studium, aber so richtig geforscht hatte ich bis jetzt dann doch nicht.

Was hast du vor deinem Master gemacht?
Der Weg bis dahin war ein wenig holprig. Von der Unterstufe in die Oberstufe und nach der 12 abgebrochen. Daraufhin eine Ausbildung zur gestaltungstechnischen Assistentin absolviert und doch den Drang verspürt das Abitur nachzuholen. Nachdem Abitur habe ich dann erstmal diverse Praktika gemacht, aber schon im Bereich Design, danach dann den Bachelor, weiter mit einem Praktikum und nun beim Master angekommen.

Laut oder Leise?
Eher leise. Ich bin die Stille 😉

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Dank‘ dir für das nette Interview!

Nachdem Interview haben wir uns dann noch lange unterhalten über das Studium, Umzüge, Vintage und Mode, Interior, Disney und VHS, Kinder-Hörspiele und vieles mehr.

Liebe Anna! Schade, dass du soweit weg wohnst, denn ein spontaner Kaffee mit dir wäre gar wunderbar. Tolles Gespräch, tolle Person!

Und hier sind meine bezaubernden Exemplare genäht von Anna Wentzler. Ich habe schon sehr viele Komplimente dafür erhalten und wurde immer gefragt, wo ich die Taschen denn her hätte. Und die nächsten Aufträge liegen auch schon bei ihr.

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Wer Annas Taschen oder sie selbst mal live bestaunen möchte, der findet sie am 07./08. Februar 2015 in Mainz auf dem Stijl DesignMarkt. Also Datum vormerken!

– May

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