Interview mit Schmuckdesignerin Maryvonne Wellen

Heute hatte ich ein sehr angenehmes Interview mit Maryvonne Wellen, Schmuckdesignerin aus Düsseldorf mit holländischen Wurzeln. Maryvonne arbeitet nebenbei noch an der FH Düsseldorf und hilft dort Studenten, wie zum Beispiel mir, mit nützlichen Tipps bei Projekten. Wir haben viel gelacht und gequatscht und haben schon ein nächstes Treffen ausgemacht. Ich freue mich euch Maryvonne vorstellen zu können 🙂

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Wie geht es dir?
Mir geht’s gut. Die Sonne scheint noch immer, das Wetter ist noch ok und ich freu mich das bald Weihnachten ist.

Erzähl uns doch erstmal wer du bist und was du so machst?
Ich bin Maryvonne Wellen, eine Schmuckdesignerin. Ich komme aus Holland und habe dort eine Ausbildung zur Goldschmiedin absolviert und bin danach für mein Bachelor-Studium „Applied Art and Design“ nach Düsseldorf gezogen. Nachdem ich damit fertig war habe ich hier dann auch noch den Master drangehangen. Danach habe ich dann mein eigenes Label gegründet – das ging so fließend ineinander über. Seit Oktober bin ich jetzt auch in einem Kollektiv mit zwei anderen Schmuckdesignerinnen, „MPA“ heißen wir und wir präsentieren gemeinsam unseren Schmuck.

Zu welchem Zeitpunkt wusstet du „Ich möchte jetzt Schmuckdesignerin werden“? War das dir schon als kleines Mädchen bewusst? Oder hat sich das erst bei dir entwickelt?
Hmmm…nee, ich war nicht so ein kleines Mädchen – pink, rosa, Barbie, Glitzer. Ich habe super viel handwerklich gearbeitet und nach meinem Schulabschluss, vergleichbar mit dem Abitur in Deutschland, hatte ich echt keine Ahnung was ich machen sollte. Ich wusste nur in welche Richtung ich nicht gehen wollte – nicht zu wissenschaftlich, nicht zu abstrakt. Dann habe ich aus so einem großen Buch mit Berufen ein paar ausgewählt. Da war dann unter anderem Architekt und Innenarchitekt dabei, ansonsten handwerkliche Berufe auf jeden Fall, die aber schon gestalterisch waren. Danach habe ich dann selektiert und es wurde immer weniger und am Ende ist Goldschmied übrig geblieben. Und vom Goldschmied ging es dann weiter zum Schmuckdesign. Es war also am Anfang nie klar in welche Richtung es sich jetzt entwickelt, aber am Ende war ich froh, dass ich mich für dieses Richtung entschieden habe, weil ich bis jetzt noch nie gedacht habe: „Hätte ich doch lieber was anderes gemacht“. Ich fühle mich mega wohl mit Schmuck.

Wie sieht denn ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Ich habe verschiedene Arbeitstage. Aber ich erzähle mal was ich an einem Schmuckarbeitstag alles mache. Ich stehe auf und frühstücke entspannt, das mag ich super gerne. Danach mache ich mich fertig und fahr in die Werkstatt, in mein Atelier. Das Atelier ist in einer alten Autowerkstatt. Ich teile es mir mit einem bildenden Künstler, einer Illustratorin und einem Interface-Künstler. Wir sind ein super gemischtes Team und das ist sehr angenehm – jeder arbeitet so vor sich hin und trotzdem ist eine Gemeinschaft da. Als allererstes gucke ich dann, was für Aufträge noch offen sind, zu wem ich etwas hinschicken muss, was angepasst werden soll – jemand möchte etwas kürzer oder länger – und danach, ungefähr einen halben Tag später, surfe ich etwas im Internet und schaue was die anderen so machen. Das darf ich aber nicht zu lange machen (lacht) und dann räume ich mir immer Zeit frei, um an einer neuen Serie zu arbeiten, was ich zur Zeit zum Beispiel mache. Es dauert aber lange, weil ich nicht jeden Tag daran arbeiten kann, wegen anderer Arbeiten. Aber wenn es dann so weit ist sitze ich den halben Tag hinter dem Werktisch passe an, probiere aus und die andere Hälfte wird mit skizzieren und Prototypen bauen verbracht.

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Hast du Vorbilder in Richtung Schmuck – die du ganz gerne magst?

Es gibt bei Schmuck ganz viele Bereiche, zum Beispiel dieses Contemporary Jewerlly (Künstler-Schmuck), da gibt es ein paar Leute die richtig gerne mag – so alte Sachen von Emmy van Leersum oder Gijs Bakker. Dann gibt es noch den Fashion-Schmuck, der Schmuck auf den Laufstegen, beispielsweise der von Lanvin entworfen von Elie Top, aber auch der Schmuck aus der letzten Armani Primi Collection ist super.

Was hast du immer dabei? Was darf nie zu Hause liegen bleiben? Abgesehen von Handy, Portemonnaie und Schlüssel.
Ich habe immer Gel-Stifte, Fineliner, Bleistifte  zum Skizzieren dabei.
Mein Grafiktablett und Laptop, Sonnenbrille – im Winter und im Sommer – und Lipgloss.

Wie würdest du dich mit 3 Worten beschreiben?
Ich glaube ich bin gut gelaunt, extrovertiert und erfinderisch/experimentierfreudig.

Noch einmal eine kleine Einschub-Frage: Was hat dich eigentlich dazu bewogen von Holland nach Deutschland zu ziehen? Gab’s in Holland kein Studiengang für Schmuckdesign? Oder hattest du die Goldschmiede-Ausbildung auch schon in Deutschland gemacht?
Die Goldschmiede-Ausbildung habe ich in Belgien angefangen und bin dann nach Holland gewechselt. Im letzten Ausbildungsjahr ist dann der Professor Herman Hermsen aus Düsseldorf zu uns gekommen und hat den „Applied Art and Design“ Studiengang vorgestellt. Ich hatte auch die ganze Zeit schon Lust weiter zu lernen und weiter zu machen, aber bei uns in Holland kannst du dafür nur an die Kunstakademie wechseln und da darf jeder Schmuck machen, auch wenn du noch keine Kenntnisse in Form einer Ausbildung davon hast. Und das fand ich in Düsseldorf ganz schön, das man dort mit einer Basis und Wissen im handwerklichen Bereich erst anfangen kann, das ist einfach Vorraussetzung. Dadurch ist die Einstiegs-Qualität der Leute einfach höher. Daher ist es dann Düsseldorf geworden. Ich war aber nicht alleine. Wir kamen zu dritt aus den Niederlanden.

Würdest du denn jetzt sagen, weil du meintest, dass du das in Düsseldorf mit der schon vorhandenen Basis ganz schön fandest, dass man das mit dem Schmuck nicht ausprobieren sollte, wenn man zum Beispiel kein Vorwissen hat? Düsseldorf bietet ja interdisziplinäres Arbeiten an.
Nee, man soll schon ausprobieren. Man geht dann auch damit viel entspannter um. Was ich dann nur schwierig finde ist, wenn man etwas Technisches machen möchte. Ich denke man muss dann die Sachen konzeptionell angehen und nicht erwarten, dass man die technische Seite, wie zum Beispiel das Löten, dann direkt drauf hat. Das kostet einfach viel Zeit etwas gut und vernünftig ineinander zu bauen. Man muss dann dafür kreative Lösungen finden und das ist das Interessante daran. Es gibt ja zum Beispiel auch Keramiker die Schmuck machen.

Und man kann sich bestimmt auch immer jemanden suchen, der dann einem hilft, oder?
Ja, klar. Das auf jeden Fall. Und natürlich ist Schmuckdesign auch etwas anderes als Goldschmiedekunst. Ich finde man kann Schmuck auch gut aus Aluminium-Folie gestalten. Man muss dann einfach schauen, wie man etwas Schönes produziert, mit den Mitteln die man Handhaben kann.

Du kennst bestimmt das „Entweder Oder“ Spiel, oder?
Ich kenn’s nicht, aber wir können es gerne ausprobieren.

Laut oder Leise? Oh, ich bin laut.
Lesen oder Schreiben? Lesen.
Zu zweit oder Alleine? Zu zweit.
Chiller oder Stresser? Stresser (lacht)
Feierabendbier oder ein Glas Wein? Beides ist super.
Süß oder Salzig? Auch beides toll.
Sport oder doch lieber die Couch? Sport.
Digital oder Analog? Beides.
Organisiert oder das pure Chaos? Chaos.
Rucksack oder Handtasche? Rucksack.
Online oder Offline? Online 😀
Sommer oder Winter? Sommer.
Peter Pan Prinzip! Für immer ein Kind bleiben oder doch irgendwann erwachsen werden? Für immer ein Kind bleiben.

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Hast du noch Tipps für Jungen und Mädchen die vielleicht auch irgendwann Schmuckdesign studieren wollen?

Oh, ich glaube, dass man einfach anfangen sollte, Sachen zu machen. Man muss dafür jetzt nicht mit Edelmetallen umgehen können. Man kann ja aus jedem noch so kleinem Ding etwas Schönes produzieren, wenn man es richtig angeht.  Es gibt ja mittlerweile auch so viele Anleitungen im Internet und ich würde einfach versuchen, das was man schön findet, nachzumachen. Irgendwann kriegt man dann selber ein Gefühl dafür und wenn nicht, dann halt nicht 😀

Dann weiß man wenigstens das es nicht das Richtige für einen ist?!
Genau.

Möchtest du den noch etwas loswerden?
Ich muss unbedingt auf eure Website und mir die anderen Interviews durchlesen.

Mach das auf jeden fall. Interessante Interviews dabei.

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Danke dir liebe Maryvonne 🙂 Ich könnte deinem tollen holländischen Akzent noch Stunden zu hören.
Ich freue mich auf deine Hilfe bei meinem Projekt und bald gehört eine deiner Ketten mir! Ich werde sie sooft wie es geht nur tragen ❤

Wer Maryvonnes Schmcuk kaufen möchte:
Muhjo
Galerie Agnes Raben
NRW Forum
Und bei ihr persönlich hier

– May

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